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Spuren jüdischen Lebens

Schüler starten in die freiwillige Projektwoche Hagen im Dritten Reich Präsentation am Freitag

 

Von Lennart Edel

Hagen. Auf den Pfaden der Geschichte wandern derzeit Schüler aus Hagen und Beverstedt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Todesmärsche vom Konzentrationslager Sandbostel und das jüdische Leben in Hagen vor und während des Dritten Reichs. Die Schüler sollen während der Projektwoche selbst recherchieren und ihre Ergebnisse vorstellen.

Vor einem unscheinbaren Haus aus braunem Backstein in der Hagener Gartenstraße versammelt sich eine Gruppe Schüler um Hansdieter Kurth. Hier hatte Moritz Leeser seine Schlachterei, setzt Kurth an. Geschlachtet wurde dort nur koscher Moritz Leeser war Jude, aber in erster Linie war er Hagener. Er hat 20 Familien im Ort mit Fleisch versorgt. Außerdem verteilte er an der Volksschule immer Äpfel und Birnen aus seinem Garten an die Schüler, berichtet der Pensionär.

Religion war in Hagen kein Thema, bis die Nazis den Bewohnern ihre Ideologie aufzwangen, sagt Kurth. Jüdische Menschen stellten einen integralen Bestandteil des Hagener Lebens dar. Doch an diese Familien erinnert heute nicht mehr viel. Moritz Leeser nahm sich das Leben. Die Synagoge wurde 1934 niedergebrannt, die Villa der Goldmanns beherbergt heute das AWO-Familienzentrum. Mit diesen Schicksalen beschäftigen sich Neunt- und Zehntklässler der Hermann-Allmers-Schule und Waldschule in dem von Jugendpflegerin Petra Wulff-Haun initiierten Projekt. Am Ende sollen eine Ausstellung und ein Mahnmal entstehen. Die Volksbank spendete dafür 1000 Euro. Das Thema ist wichtig, auch wenn uns oft die Verbindung fehlt, findet Jana Ziebell (16). Man muss sich bewusst machen, was damals hier passiert ist.

Nachforschungen können im Haus der Jugendpflege angestellt werden. Die Praktikanten Jens Küver (17) und Jan Klockgeter (18) haben dafür in Archiven und im Internet recherchiert, Zeitzeugen befragt. Auch das Archiv der NORDSEE-ZEITUNG trug zur Sammlung bei. „Bei der genaueren Betrachtung wurde alles sehr beklemmend, sagt Jens.

Bedrückend sind für viele Schüler auch die Schilderungen des ehemaligen Samtgemeindedirektors Peter Heß. Der 1934 Geborene lebte gegen Ende des Krieges in der Nähe des Stalag X-B bei Sandbostel. 40000 Gefangene aus 70 Nationen waren dort eingepfercht. Heß berichtete von stundenlangem MG-Feuer, dass er eines Abends aus dem Lager hörte. Eine Gefangenenrevolte wurde dort am 19. April 1945 niedergeschossen, rund 300 Häftlinge starben an diesem Tag.

Dann erinnert sich Heß an den Todesmarsch und wie seine Familie Wasser an die halb verhungerten, in Lumpen gehüllten Gefangenen ausgab, die von der SS an ihrem Grundstück vorbeigetrieben wurden. Dabei wurde er auch Zeuge von Exekutionen durch die SS-Männer. Von den etwa 3000 in Sandbostel aufgebrochenen Gefangenen überlebten nur rund 400 die letzten Tage des Krieges. Heß mahnt seine jugendlichen Zuhörer an: Wir müssen alle wachsam sein, um unsere Demokratie zu erhalten.

Hansdieter Kurth (vorne, Mitte) zeigt einer Gruppe von Schülern in Hagen Orte, die mit jüdischen Einwohnern verbunden sind. Im Hintergrund steht die ehemalige Schlachterei von Moritz Leeser. Von dort aus führte auch ein Weg zur 1934 niedergebrannten Synagoge.(Edel)